Theoretische Ausbildung an der BAP
Theoretische Ausbildung (Vorlesungen, Seminare und Kurse)
Vorlesungen und Praxisseminare haben einen Umfang von mindestens 600 Stunden und vermitteln die im Curriculum genannten Ausbildungsinhalte in Vorlesungs- und Kursblöcken, die thematisch anders zusammengesetzt sind als die im Curriculum genannten Inhalte. Sie bilden zum Teil eine Mischung von Theorie-und Praxisthemen, sowie von Grundlagen und vertiefter Ausbildung. Dadurch wird der Transfer der Grundlagentheorie in Klinik und Praxis gewährleistet. Grundlagen werden in Vorlesungen vermittelt.
In der Regel finden die Seminare samstags und sonntags statt.
Qualitätssicherung der Theorievermittlung: Zum Abschluss jedes Themenblocks gibt der Dozent Selbstprüfungsaufgaben aus, die inhaltlich den Stoff seines Vorlesungs-/Seminarthemas umfassen. Sie haben auf diese Weise die Möglichkeit, sowohl die praxis- als auch die prüfungsrelevanten Aspekte zusammenfassend dargelegt zu bekommen.
Bei der dreijährigen Ausbildung finden drei Jahre lang Kurse statt.
Auch bei der fünfjährigen Ausbildung finden nur drei Jahre lang Kurse statt. Im vierten und fünften Jahr stehen die Interaktionelle Fallarbeit und Kasuistik, Durchführung eigener Therapie unter Supervision im Vordergrund, sowie im fünften Jahr Ihre Vorbereitung auf die staatliche Abschlussprüfung.
Theoretische Ausbildung an der Bayerischen Akademie für Psychotherapie
a) Grundkenntnisse - mindestens 200 Stunden
b) Vertiefte Ausbildung - mindestens 400 Stunden
1. Theorie und Praxis der Diagnostik
2. Rahmenbedingungen
3. Therapiemotivation und Widerstand
4. Behandlungskonzepte und Behandlungstechniken
5. Krisenintervention
6. Gesprächsführung mit den Bezugspersonen
7. Spezielle Paar- und Familiendiagnostik und Paar- und Familientherapie
8. Umgang mit speziellen Problembereichen
a) Grundkenntnisse - mindestens 200 Stunden
1. Psychologische Grundlagen normalen und abweichenden Verhaltens
- Entwicklungspsychologische Grundlagen, biologische und soziale Grundlagen des Verhaltens, Entwicklung von Kognitionen, Wahrnehmung, Sprache, Intelligenz, Gedächtnis, Konzentration, Motorik, Psychomotorik, Sozialverhalten Entwicklungsaufgaben im Kindes- und Jugendalter
- Emotionspsychologische Grundlagen
- Sozialpsychologische Grundlagen
- Persönlichkeitspsychologische Grundlagen
- Neuropsychologische Grundlagen
- Familienpsychologische Grundlagen
2. Konzepte über die Entstehung, Aufrechterhaltung und den Verlauf psychischer und psychisch mit bedingter Erkrankungen
- Allgemeine und spezielle Krankheitslehren von Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psychotherapie indiziert ist, unter Berücksichtigung der wissenschaftlich anerkannten Verfahren (verhaltensmedizinische und tiefenpsychologische Krankheitslehre), Grundlagen und Bedingungsfaktoren für Veränderung
- Psychiatrische Krankheitslehre
- Psychosomatische Krankheitslehre
- Psychiatrische Krankheitslehre verschiedener Altersgruppen
- Epidemiologie
3. Methoden und Erkenntnisse der Psychotherapieforschung, incl. Entwicklungspsychopathologie (Klinische Entwicklungspsychologie)
prozess, Outcome, Evaluation, Qualität
4. Diagnostik und Differentialdiagnostik einschließlich Testverfahren zur Abgrenzung verschiedener Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psychotherapie indiziert ist, psychosozial und entwicklungsbedingter Krisen sowie körperlich begründbarer Störungen Klassifikationssysteme, Testverfahren Lern- und Leistungsdiagnostik Fragebogenverfahren Interaktionsdiagnostik Körperdiagnostik
5. Intra- und interpersonelle Aspekte psychischer und psychisch mitbedingter Störungen in Paarbeziehungen, Familien und Gruppen Arbeit mit Bezugssystemen Familientherapeutische Ansätze
6. Besondere entwicklungs- und geschlechtsspezifische Aspekte der Persönlichkeit, der Psychopathologie und der Methodik der Psychotherapie
7. Prävention und Rehabilitation
Ambulante und stationäre Rehabilitationskonzepte Prävention: primär, sekundär, tertiär
8. Medizinische und pharmakologische Grundkenntnisse für psychologische Psychotherapeuten Organmedizinische Diagnostik Neurologische Grundlagen und Neurologischer Befund Pharmakologische Grundlagen und Psychopharmakotherapie Neuropsychologie Pädiatrische Grundlagen
9. Methoden und differentielle Indikationsstellung wissenschaftlich anerkannter psychotherapeutischer Verfahren
Verhaltenstherapie
10. Dokumentation und qualitative und quantitative Evaluation von psychotherapeutischen Behandlungsverläufen
Meßinstrumente zur Basisdokumentation, zur Verlaufsdokumentation und zur Evaluation Störungsspezifische Meßinstrumente
11. Berufsethik und Berufsrecht, medizinische und psychosoziale Versorgungssysteme, Organisationsstrukturen des Arbeitsfeldes
Kooperation mit Ärzten und anderen Berufsgruppen BSHG, Kassenrecht
12. Geschichte der Psychotherapie
b) Vertiefte Ausbildung mindestens 400 Stunden
1. Theorie und Praxis der Diagnostik
-Erstgespräch, Exploration, Befunderhebung,
-Syndromdiagnose und klassifikatorische Diagnose mit Differentialdiagnose, Psychodiagnostik (u.a. Leistungs- und Funktionsdiagnostik, projektive Verfahren)
-Persönlichkeitsdiagnostik, Anamnese (Lebens- und Krankheitsgeschichte), Fremdanamnese, psychophysiologische Messungen
- Fallkonzeptualisierung, Verhaltens- und Bedingungsanalyse (incl. Funktionsanalyse und Interaktionsanalyse in der Partnerschaft und in der Familie), Entwicklungsanalyse, Ressourcenanalyse (individuell und Familie) Motivationsanalyse, Kognitionsanalyse, Emotionsanalyse, Persönlichkeitsanalyse, Beziehunganalyse, Konfliktanalyse, Werteanalyse, Systemanalyse, Befindlichkeitsanalyse
- Indikationsstellung und Prognose (Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologisch fundierte und Psychoanalytische Psychotherapie, Körpertherapien, Einzel- versus Gruppen- versus Familientherapie, incl. Differentialindikation (Kurz- versus Langzeittherapie) und Prognose (günstige und ungünstige Kriterien der Prognose, Prognosestellung) Ökonomische Analyse der indizierten Therapie
- Zielanalyse, Zieldefinition, Zielprioritäten, Zielspezifität, Widerstandsanalyse, Zieloperationalisierung, Zielerreichungsskalierung
- Therapieplanung, Kontextplanung, Planung der Beziehungsgestaltung, inhaltliche Planung (Dreierschritt Störung – Ziel – Therapie), Prozessplanung
-Einbeziehung der bedeutsamen Beziehungspersonen
-Therapieverlaufskontrolle
-Evaluation (Einzelfallanalyse) und Qualitätssicherung
-Katamnese
2. Rahmenbedingungen der Psychotherapie
-Behandlungssetting (ambulantes, stationäres, Einzel-, Gruppen-, Familiensetting) Strukturierung des Therapieverlaufs (Dramaturgie der Therapiephasen) Einleitung (Aufbau von Veränderungserwartung, Aufbau einer förderlichen Beziehung
-Beendigung der Behandlung (Auflösung der therapeutischen Beziehung durch Abschied und Trauer) im Hinblick auf bestehende Abhängigkeit von Beziehungspersonen
-Einrichtung eines Therapieraumes
3. Therapiemotivation und Widerstand des Patienten und seiner bedeutsamen Beziehungspersonen
-Entscheidungsprozesse des Therapeuten
-Motivationale Klärung (individuell und auf das Paar- bzw. Familiensystem bezogen)
-Emotionale Aktivierung
-Konfliktbearbeitung
-Kognitiv-affektive Restrukturierung
-Akzeptanz (Selbst- und Weltakzeptanz)
-Entscheidung zur Veränderung Loslassen alter Abwehr- und Beziehungsmuster Veränderungsschritte Ressourcenmobilisierung (inhaltlich und prozessual)
-Umgang mit besonderen Problemen (Abbruch, Reaktanz etc.)
- Dynamik der Beziehungen zwischen dem Therapeuten und dem Patienten, sowie seinen bedeutsamen Beziehungspersonen im psychotherapeutischen Behandlungsprozeß
-Planung der Gestaltung der therapeutischen Beziehung Aufbau einer entwicklungsfördernden therapeutischen Beziehung Bedürfnisbefriedigendes Therapeutenverhalten
-Vorbereitung auf Gegenübertragungsfallen
-Entwicklung der therapeutischen Beziehung
4. Behandlungskonzepte und Behandlungstechniken, sowie deren Anwendung
-Gesprächsführung
-Therapiestrategien Therapieinterventionen
-Behandlungstechniken bei Kurz- und Langzeittherapie, Differentialindikation von Kurz- und Langzeittherapie, Planung und Aufbau einer Kurzzeittherapie Kurzzeittherapie-Techniken
5. Krisenintervention
-Umgang mit suizidalem Verhalten
-Umgang mit aggressivem Verhalten
-Umgang mit emotionaler Dekompensation
-Maßnahmen bei akuten Psychosen (akute psychiatrische Versorgung)
6. Gesprächsführung mit den Bezugspersonen
Im Hinblick auf deren psychische Beteiligung an der Erkrankung und im Hinblick auf deren Bedeutung für die Herstellung und Wiederherstellung des Rahmens der Psychotherapie des Patienten
-Angehörigengespräch ,Angehörigengruppe, Familiengespräch
-Die Therapiestunde unter Einbeziehung einer Bezugsperson
-Familientherapeutische Interventionen
7. Spezielle Paar- und Familiendiagnostik und Paar- und Familientherapie
Familie:
-Familienpsychologische Grundlegung
-Verschiedene familientherapeutische Ansätze
-Familientherapeutische Störungs- und Therapietheorie
-Psychotherapie mit Familien
-Entwicklungsförderung in der Familie
-Spezifischer Umgang mit Familien
-Familiendiagnostik
-Familientherapeutische Erweiterung der Störungsdiagnostik
-Familientherapeutische Behandlungsplanung
-Familientherapeutische Behandlungsstrategie
-Familientherapeutische Interventionen
Paar:
-Paar- und Ehepsychologische Grundlegung
-Verschiedene paartherapeutische Ansätze
-Paartherapeutische Störungs- und Therapietheorie
-Psychotherapie mit Paaren
-Entwicklungsförderung in der Partnerschaft
-Spezifischer Umgang mit Paaren
-Paardiagnostik
-Paartherapeutische Erweiterung der Störungsdiagnostik
-Paartherapeutische Behandlungsplanung
8. Umgang mit speziellen Problembereichen
-Problempatienten
-Das psychotherapeutische Team
-Die psychotherapeutische Klinikstation
-Interdisziplinäre Zusammenarbeit
-Nebenwirkungen von Behandlungen (sozial und gesundheitlich)
Die 200-stündige Grundlagentheorie wird in die Kurse zur Vertiefung so eingeflochten, dass keine reinen Theorieveranstaltungen resultieren, sondern der theoretische und wissenschaftliche Hintergrund zur Fall- und Therapiearbeit hinzugefügt wird.
Die 400 Stunden Vertiefung finden in Form von Seminaren und Praxiskursen statt.
Die Lehrveranstaltungen finden ausschließlich an Wochenenden statt.
Die BAP verfügt über eine Bibliothek mit über 1500 Büchern (Präsenzbibliothek).


